Heute schauen wir uns an, was Softshell eigentlich für ein Stoff ist – und warum er viel weniger kompliziert ist, als sein Ruf vermuten lässt.Viele haben großen Respekt davor, Softshell zu vernähen. Dabei ist er mit ein paar einfachen Tipps erstaunlich anfängertauglich und ein richtig toller Stoff für praktische Projekte wie Jacken, Westen oder Matschhosen.

Was für ein Material ist Softshell?
„Softshell“ ist eigentlich ein Überbegriff für eine Klasse von Stoffen, die ursprünglich für Sport- und Outdoor-Bekleidung entwickelt wurde. Mittlerweile hat er aber auch Einzug in ganz normale Freizeitkleidung gefunden.
Softshell besteht aus zwei bis drei Schichten:
- Das Oberflächenmaterial: Dies ist die äußere Schicht, die Schutz vor Wind und leichtem Regen bietet. Die glatte, beschichtete Oberfläche sorgt dafür, dass Feuchtigkeit abperlt und ist dabei trotzdem atmungsaktiv.
- Das Innenfutter: Die innere Schicht ist oft mit weichem Fleece oder einem anderen isolierenden Material wie Velours gefüttert, um Wärme und Komfort zu bieten.
- Manchmal beinhaltet der Stoff eine Membran oder Zwischenschicht. Diese Schicht verstärkt die wasser- und windabweisenden Eigenschaften von Softshell und ist in der Regel dampfdurchlässig. So ermöglicht sie den Feuchtigkeitstransport von innen nach außen, während gleichzeitig äußere Nässe abgehalten wird.
Softshell ist formstabil, kaum dehnbar und wasserabweisend, aber im Gegensatz zu Hardshell-Stoffen nicht wasserdicht. Bei leichtem Regen perlt das Wasser ab, aber wenn es stärker regnet, gelangt die Feuchtigkeit irgendwann doch ins Innere der Jacke.
Ist Softshell schwer zu nähen?
Viele Anfänger haben großen Respekt vor dem Nähen von Softshell, aber das ist gar nicht notwendig. Mit ein paar einfachen Tipps ist er ein dankbarer Stoff, der sich ziemlich einfach vernähen lässt.
Um Softshell zu nähen, verwendest du einen normalen Gradstich, eventuell mit einer etwas größeren Stichlänge bis zu 3,5mm. Da der Stoff recht dick ist, kann es sein, dass du die Oberfaden-Spannung etwas runtersetzen musst.
Damit beim Nähen kein Loch im Softshell entsteht, kannst du eine Mikrotex-Nadel verwenden. Bei dieser Nadel ist die Spitze besonders schmal, aber nicht spitz. So dringt sie auch in dicht gewebte Stoffe ein, ohne ihn zu verletzen. Diese Nadel ist allerdings auch besonders empfindlich und muss daher regelmäßig ausgetauscht werden. Es ist aber genauso möglich, Softshell einfach mit einer Universalnadel 80-90 zu nähen.
Welches Garn?
Du brauchst kein besonderes Garn für Softshell, du kannst einfach einen Allesnäher aus Polyester nehmen. Da der Stoff besonders dick ist, empfiehlt es sich hier noch mehr als sonst, auf ein hochwertiges Garn zu achten. Günstiger Faden ist meist fusselig und hat mal dickere und mal dünnere Stellen, daher reißt es leichter und führt schneller zu „Fadensalat“ in der Maschine.
Wie steckst du Softshell?
Beim Nähen solltest du Softshell auf jeden Fall fixieren, da sich die Stofflagen sonst gegeneinander verschieben können. Dann werden die Nähte schief oder die Lagen passen nicht mehr zueinander.
Stoffklammern
Meist wird empfohlen, für das Stecken von Softshell Stoffklammern zu verwenden, da sie den Stoff nicht durchbohren.

Für das Bild oben habe ich es zwar ausprobiert, aber ich persönlich arbeite einfach lieber mit Stecknadeln. Das ist vermutlich Geschmackssache. 🙂
Stecknadeln
Stecknadeln sind eigentlich für Softshell nicht ideal, denn sie hinterlassen kleine Löcher, die nicht wieder zugehen. Außerdem gehen die Stecknadeln auch nicht so einfach durch den festen Stoff. Ich benutze trotzdem oft normale Stecknadeln und stecke sie einfach ganz am Rand des Stoffes innerhalb der Nahtzugabe. Denn dann sind die Löcher im Inneren und beeinträchtigen die Dichtheit des genähten Kleidungsstücks nicht.

Tipp: Stecke immer innerhalb der Nahtzugabe
Textil-Kleber
Wenn du etwas mitten im Stoff befestigen möchtest, zum Beispiel, um einen Tunnelzug zu nähen, dann kannst du Textilkleber verwenden. Unter anderem gibt es doppelseitig klebende Patches (z.B. von „Stylefix“) oder Klebebänder (z.B. „Wondertape“), die sich beim Waschen wieder auflösen.
Ich habe zum Annähen von aufgesetzten Taschen auch schon mal Stecknadeln verwendet (wenn du genau hinsiehst, kannst du es links im Bild erkennen) und sie hinterließen keine sichtbaren Löcher (im Bild rechts).

Muss man Softshell versäubern?
Softshell muss nicht unbedingt versäubert werden, da er nicht ausfranst. Du kannst die Kanten also einfach offen lassen, wie hier im Inneren des Fäustlings:

Merke: Softshell franst nicht – Versäubern ist optional.
Oft werden die Kanten trotzdem versäubert, damit die Innenseite der Kleidung sauber und professionell aussieht. Das habe ich beispielsweise an der Bündchen-Naht des Handschuhs gemacht:

Alternativ dazu kannst du die Kanten auch mit Schrägband einfassen, das sieht auch sehr schön aus, zum Beispiel am Halsausschnitt.
Was kann man alles aus Softshell nähen?
Am häufigsten wird Softshell für Übergangsjacken benutzt – Allerdings ist das Nähen einer Jacke aufgrund der Komplexität des Schnittes und dem Einnähen des Reißverschlusses nicht unbedingt das ideale Anfängerprojekt. Du kannst das Material aber auch für Überziehhosen, Westen oder Handschuhe verwenden – diese Projekte sind deutlich einfacher und eignen sich gut für den Einstieg.
Auch aus den Resten von Softshell kann man noch so einiges nähen, dazu habe ich vor einer Weile mal einen Blog-Beitrag geschrieben:
Nähen mit Softshell-Resten
Dort findest du Links zum Nähen von Utensilos, Federmäppchen, Mützen, Turnbeuteln und einiges mehr.
Hat Softshell einen Fadenlauf?
Softshell hat einen Fadenlauf, auch wenn er nicht immer einfach zu sehen ist. Du kannst ihn daran erkennen, dass Softshell meist quer elastischer ist als längs. Allerdings gibt es große Unterschiede, wie elastisch der Softshell überhaupt ist. Ob du beim Nähen den Fadenlauf beachten musst, hängt also sowohl von den Eigenschaften deines Softshells als auch von dem Schnitt ab, den du nähst. Wenn du beispielsweise eine recht körpernahe Jacke nähst, solltest du sie im Fadenlauf nähen, ist es ein eher weites Kleidungsstück, kommt es nicht so sehr darauf an.
Wie pflegt man Softshell?
Softshell ist recht robust und muss nicht bei jeder Verschmutzung gleich in die Waschmaschine. Viele Flecken kannst du schnell mit einer weichen Bürste entfernen (z.B. getrockneter Matsch) oder mit einem feuchten Tuch abwischen (z.B. Bonbonreste).
Du kannst Softshell aber auch einfach in der Waschmaschine waschen. Bei richtiger Pflege schadet häufiges Waschen dem Stoff nicht, beachte dazu einfach die Pflegehinweise. Vor allem ist es wichtig, die Waschtemperatur einzuhalten, denn bei zu hohen Temperaturen kann Softshell einlaufen.
Wenn du die Pflegehinweise aber nicht (mehr) hast, sind hier ein paar allgemeine Empfehlungen zum Waschen in der Waschmaschine:

- Schließe vor dem Waschen alle Verschlüsse und wähle einen Schonwaschgang mit möglichst niedriger Temperatur (30°/40°C).
- Softshell sollte bei maximal 800 Umdrehungen geschleudert werden, das ist beim Schonwaschgang aber normalerweise sowieso voreingestellt.
- Manchmal wird empfohlen, die Bekleidung mit viel klarem Wasser auszuspülen, damit keine Rückstände des Waschmittels am Softshell haften bleiben. An vielen Waschmaschinen gibt es dazu die die Funktion „Extra Spülen“.
Keinen Weichspüler verwenden
Weichspüler entfaltet seine Wirkung dadurch, dass ein Film auf dem Stoff zurückbleibt. Dieser macht den Stoff weicher und schützt ihn auch zwischen den Wäschen. Doch bei Softshell ist das kontraproduktiv, denn wenn sich der Weichspüler in den Poren des Stoffs festsetzt, verliert er seine Atmungsaktivität. Dann schwitzt man mehr in der Softshell-Kleidung, was ja nicht erwünscht ist.
Kann man Softshell bügeln?
Ich habe persönlich noch nie das Bedürfnis gehabt, Softshell zu bügeln, da er eigentlich nicht knittert. Solltest du den Stoff dennoch bügeln wollen, stelle das Bügeleisen nicht zu heiß ein, auf niedrige bis maximal mittlere Temperatur. Wenn du noch einen Stoffrest zuhause hast, kannst du darauf ausprobieren, welche Temperatur dein Softshell aushält.
Imprägnierspray für Softshelljacken?
Nach mehrmaligem Waschen kann es sein, dass der Stoff nicht mehr so wasserabweisend ist. Das kannst du daran erkennen, wenn das Wasser an der Jacke nicht mehr abperlt, sondern in den Stoff einzieht. Dann kannst du den Stoff einfach mit einem für Softshell geeigneten Imprägnierspray behandeln.
Wenn du jetzt Lust bekommen hast, Softshell auszuprobieren, dann fang am besten mit einem kleinen Projekt wie Handschuhen, einer Weste oder einer Überziehhose an. Und wenn du noch Fragen hast: Schreib sie mir gern in die Kommentare – ich antworte so schnell ich kann. 🙂
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Viel Spaß und Erfolg beim Nähen!
Cailin

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